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Montag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Füchse, Zobel und der Zar Sibiriens Pelze und ein neues Weltreich Die Russische Welt aus Sicht des Kremls "Russkij Mir" Das Kalenderblatt 28.11.1992 Erster Kauf-Nix-Tag Von Thomas Grasberger . Füchse, Zobel und der Zar - Sibiriens Pelze und ein neues Weltreich Autorin: Fiona Rachel Fischer / Regie: Kirsten Böttcher Es sind unglaubliche Preise. Der hochwertige Balg eines Silberfuchses ist im Moskau des 17. Jh. den Kaufpreis einer kleinen Hofwirtschaft wert. Auf der Suche nach dieser Goldquelle ziehen Scharen von Trappern, Händlern und Kosaken in die unermesslichen und unbekannten Weiten Sibiriens. Die Jagd auf Fuchs und Zobel ist gefährlich, das Klima unerbittlich kalt. Bald sind die ersten Jagdgründe erschöpft, doch der Kontinent ist groß. Von Westsibirien aus immer weiter nach Osten folgt der Mensch den Tieren - bis zur Halbinsel Kamtschatka am Pazifik. Den Jägern wiederum dicht auf den Fersen sind Verwalter und Tributeintreiber des Zaren. Ihm füllt der Zoll des lukrativen Handels die Staatskassen. Stützpunkte werden zu Siedlungen, Terra Incognita wird russisches Territorium, das Zarenreich ein Landimperium. Doch nicht nur Fuchs und Zobel werden dabei beinahe ausgerottet, auch die indigenen Ethnien Sibiriens bezahlen einen hohen Preis. Die russische Welt aus Sicht des Kremls - Russkij Mir Autor: Jerzy Sobotta / Regie: Martin Trauner Wo fängt Russland an und wo hört es auf? Für den Machthaber im Kreml ist klar: Nicht an der Staatsgrenze des größten Landes der Erde. Hier herrscht die Idee des "Russkij Mir" - der Russischen Welt: Ein Begriff der weder geographisch, noch historisch zu vermessen ist. Denn die Russische Welt ist ein sakrales Konzept, das keine klaren Grenzen kennt. Überall, wo das russische Wort und das orthodoxe Gebet ertönt, dort sollte das heilige Russland sein. Diese Unschärfe ist strategisch: Der "Russkij Mir" ist eine Kampfansage. An die Nachbarn, an den Westen und alle, die der Sehnsucht nach dem Imperium im Wege stehen. Nach dem Untergang der Sowjetunion sucht Russland eine nationale Identität - und findet sie im Traum eurasischer Nationalisten und fanatischer Kleriker. Von Wladimir Putin zunächst als Kulturstiftung gegründet, ist die Russische Welt heute die politische Ideologie, mit der Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Moderation: Michael Zametzer Redaktion: Thomas Morawetz

Montag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Die Mütter des Grundgesetzes Männer und Frauen sind gleichberechtigt Das Grundgesetz Die Geschichte eines Exportschlagers Das Kalenderblatt 28.11.1992 Erster Kauf-Nix-Tag Von Thomas Grasberger . Die Mütter des Grundgesetzes - Männer und Frauen sind gleichberechtigt Autor: Gerda Kuhn / Regie: Susi Weichselbaumer "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" heißt es im 2. Absatz im Artikel 3 des Grundgesetzes. Eine Selbstverständlichkeit, wie die überwiegende Mehrheit der heute lebenden Deutschen meint. Und doch - so selbstverständlich ist der Artikel nicht. Es bedurfte des energischen Einsatzes von vier Frauen, damit er heute so im Grundgesetz steht. Denn die Mehrheit im Parlamentarischen Rat, der zwischen September 1948 und Mai 1949 in Bonn an einer neuen deutschen Verfassung arbeitete, stemmte sich heftig gegen die Aufnahme der fünf Worte. Doch schließlich gelang es Elisabeth Selbert und Friederike Nadig von der SPD gemeinsam mit Helene Weber von der CDU und Helene Wessel von der Zentrumspartei den Verfassungsartikel durchzusetzen. Das Grundgesetz hat also nicht nur Väter, sondern auch Mütter. Eine Tatsache, die häufig vergessen wird. Gerda Kuhn stellt in ihrem Feature die Mütter des Grundgesetzes vor - streitbare Juristinnen, die sich nicht nur für den Gleichberechtigungsparagraphen eingesetzt haben. Erstsendung 21. Mai 2007 Das Grundgesetz - die Geschichte eines Exportschlagers Autorin: Katharina Kühn / Regie: Sabine Kienhöfer Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkündet, wodurch die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland schlug. Monatelang hatten die Delegierten des Parlamentarischen Rats zuvor diskutiert, gestritten und gekämpft. Immer dabei: Besatzungsoffiziere der westlichen Besatzungsmächte. Eigentlich sollte das Grundgesetz nur ein Provisorium sein, ein Übergang, nicht wie eine Verfassung einen endgültigen Charakter haben. Doch dieses Provisorium übersteht die Nachkriegszeit, stärkt das Selbstbewusstsein der jungen BRD, schafft es sogar, die Diskussion über eine neue Verfassung nach der Wiedervereinigung Deutschlands zu überstehen - und wird so, ohne dass es vom Volk ratifiziert wird, zur gesamtdeutschen Verfassung. Obwohl dieses fehlende Referendum immer wieder als Makel des GG kritisiert wird, inspiriert es andere Staaten: Neue Demokratien in Südamerika und Asien, in Süd- und Ostmitteleuropa nehmen es sich zum Vorbild. Heute wird es immer noch gefeiert, das Grundgesetz, das in Deutschland den Rechts- und Sozialstaat festschreibt - und die Grundrechte der Bürger an die ersten Artikel stellt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Erstsendung 20. Mai 2019 Moderation: Florian Kummert Redaktion: Matthias Eggert

Montag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Lohndumping hinter Gittern Der Wert der Gefängnisarbeit Von Timo Stukenberg Viele Gefängnissinsassen arbeiten. Das soll auf ein strafffreies Leben nach der Haft vorbereiten. Die Bezahlung ist allerdings prekär. Dagegen wehren sich Betroffene jetzt. Verpacken, Schreinern, Montieren - mehr als die Hälfte aller deutschen Gefängnisinsassen arbeitet oder macht eine Ausbildung. Die Auftraggeber: das Gefängnis selbst oder private Unternehmen, deutsche Autokonzerne zum Beispiel. Die Arbeit hinter Gittern soll auf ein straffreies Leben nach der Haft vorbereiten. Doch funktioniert das? Der Gefangenenlohn liegt bei maximal drei Euro pro Stunde, Arbeitnehmerrechte gelten hinter Gittern nicht, vielen Gefangenen droht Altersarmut. Ob das zulässig ist, darüber entscheidet das Bundesverfassungsgericht im Herbst. Das Urteil könnte die deutsche Gefängnislandschaft erschüttern. Die Gefängnisse fürchten um Aufträge und Arbeitsplätze für die Insassen, wenn die Lohnkosten steigen. Das könnte auch die Etats der Länder belasten, die dann mehr Geld für die Gefängnisse bereit stellen müssten. Und ganz grundsätzlich stellt sich die Frage, wie die Arbeit hinter Gittern zur Resozialisierung beitragen kann.

Montag 22:00 Uhr MDR KULTUR

Das Halbhalbe und das Ganzganze

Im Gedenken an die Opfer des rechtsextremistischen Terroranschlags von Hanau von Safiye Can Sie sprechen über Literatur, Kunst, Klassiker der griechischen Mythologie und mitunter über ein Gedicht von Nâzim Hikmet. Er nennt sie Sophia, sie nennt ihn Friedrich - sie sind, wie viele sagen würden, "gut integriert". Kinder der 2., vielleicht 3. Generation aus Familien mit Migrationsgeschichte. Wie begreifen sie sich? Als halb deutsch und halb das andere Land? Oder ganz das eine und ganz das andere? Darüber sind sie sich nicht einig. 2022 Als ihre Geschichte anfing, hörten sie Schubert und Deutsch-Rap, studierten, jobbten, teilten sich Kippen und hielten es aus, uneins zu sein. Aber das rassistische Attentat von Hanau ändert alles, auch im Rückblick. Wie gefährlich sind die rechtsextremistischen "Einzeltäter" und wie viele sind es? In die Geschichte von "Sophia" und "Friedrich" schlagen Angst, Wut und Trauer ein. Was haben Hanau und die mediale Rezeption von "Hanau" mit ihnen, mit uns gemacht? Mit Originaltönen aus dem Feature "Der letzte Tag" von Sebastian Friedrich und Musik u.a. von Aksu, Azzi Memo, Rola, Breaks Mics & Stylez, BRKN, Dein 16er für Hanau: Marshall, Kazim Koyuncu, und Morgenstern. Safiye Can studierte Philosophie, Psychoanalyse und Jura an der Goethe- Universität in Frankfurt. Sie ist Autorin und Dichterin der konkreten und visuellen Poesie. U.a wurde sie mit dem Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis (2016) ausgezeichnet. Die Kurzgeschichte, die als Vorlage für Cans Hörspiel diente "Das Halbhalbe und das Ganzganze" erschien erstmals 2014. Zuletzt veröffentlichte Safiye Can den Lyrikband "Poesie und Pandemie" (2021). Safiye Can hat tscherkessische Vorfahren und lebt in Offenbach am Main. Andrea Geißler studierte Jüdische Studien und Islamwissenschaft in Heidelberg und Jerusalem, anschließend Dramaturgie in Frankfurt am Main. Sie ist als Autorin und Redakteurin tätig und war zuletzt Stipendiatin im Literarischen Colloquium Berlin. Ihr Hörspiel-Debüt »Hyperbolische Körper« wurde mit dem Publikumspreis der ARD Hörspieltage 2020 ausgezeichnet. »Das Halbhalbe und das Ganzganze« ist ihr Hörspiel-Regiedebüt. Regie: Andrea Geißler Produktion: Hessischer Rundfunk Mitwirkende: Kristin Alia Hunold Murat Dikenci Steffen Happel Uli Höhmann Marielle Layher (57 Min.)

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